Im Bar in Las Vegas

     Ich bin in Las Vegas! Endlich! Ich, ein einfacher Junge aus einem vergessenen Wallachendorf. Ich muss gestehen, dass ich zum ersten Mal in Las Vegas bin. Zum ersten Mal in meinem Leben! Man sagt, wer nicht in Las Vegas war, hat Amerika nicht gesehen!
     Ich stehe gerade vor einer Bar. Sie heißt „DREAM“. Ein treffender Name. Vielleicht werde ich angenehm überrascht sein.
     Ich bin hineingegangen. Ich befand mich in einer leeren Lokalität. Das Ambiente wirkte ziemlich gemütlich. Leichtes Halbdunkel, dezente angenehme Musik spielte. Überall war niemand zu sehen. Das ist seltsam. Bars sind meistens voll, besonders zu dieser Nachtzeit. Eine irgendwie merkwürdige Bar. Soll ich lieber zurückgehen? Aber jetzt, wo ich schon hier bin…
     Ich setzte mich auf einen Barhocker. Ich hustete zwanghaft.
     In diesem Moment erschien hinter dem Tresen ein kräftiger Barkeeper. In einem weißen Hemd mit einer schwarzen Fliege. Ein Schwarzer. Er sah genau aus wie Casius Clay. Wie aus dem Gesicht geschnitten. Er zeigte mir seine glänzend weißen Zähne. Ich bemerkte, dass er stark gegeltes Haar hatte. Von ihm strömte ein seltsamer tierischer Geruch.
     „Guten Tag, mein Herr, was darf ich Ihnen bringen?“
     Es überraschte mich sehr, dass der Barkeeper unsere Sprache beherrschte. Vielleicht ist er ein Emigrant? Ein Schwarzer und ein Emigrant? Um ehrlich zu sein, sah er nicht wie ein Emigrant aus. Das werde ich zu Hause erzählen!
     „Der Kerl wäre gut für eine Werbung. Zum Beispiel für Kölnisch Wasser oder für Körpershampoos,“ dachte ich mir.
     „Was darf es sein, mein Herr?“ fragte er noch einmal.
     Ich klopfte mir auf die Seite: „Zum Beispiel eine Mary... eine ordentliche Bloody Mary.“
     Er begann mit der Zubereitung. Es war eine Freude, ihm zuzusehen. In den Shaker gab er Eis, fügte Tomaten- und Zitronensaft, Wodka hinzu, alles spritzte er mit Worcestershiresauce ab. Den Inhalt würzte er mit Salz und Pfeffer. Die Mischung schüttelte er gründlich. Die rote Flüssigkeit goss er in ein Longdrinkglas und garnierte sie mit Selleriestangen.
     „Der Mann versteht sein Handwerk,“ bewertete ich seine Leistung, „kein Wunder, er ist ein Profi.“
     Die Zubereitung dauerte nur wenige Minuten.
     „Bitte, hier ist Ihr Drink,“ sagte er höflich.
     „Vielen Dank.“
     Ich nahm einen Schluck. Wirklich ein köstliches Getränk. Ich liebe es! Es vermag eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Kein Wunder, dass Churchill es so mochte.
     „Nicht schlecht. Es schmeckt gut. Auf der Zunge hat es so einen guten Nachklang,“ sagte ich anerkennend.
     Der Barkeeper schwieg und beobachtete mich aufmerksam.
     „Darf ich Sie etwas fragen?“ sagte ich neugierig.
     „Bitte,…..“
     „Wie kommt es, dass hier alles ausgestorben ist? War hier vielleicht eine Seuche? Kein einziger Gast? Keine Unterhaltung.“
     Der Schwarze lächelte.
     „Wissen Sie, mein Herr, wir sind keine schäbige Bude. Wir sind ein solides Etablissement. Zu uns kommen nur ausgewählte und kultivierte Gäste. Wir brauchen hier keine Überfüllung. Das ist nicht unser Ziel. Wir wollen zufriedene Kunden sehen, auch wenn es nur einer ist. Und im Moment sind Sie das.“
     „Das wird wohl eine ganz schön teure Angelegenheit,“ dachte ich, „wo bin ich denn nur reingeraten?“
     Der Barkeeper fuhr fort: „Aber Sie haben gut gemacht, Freund, dass Sie uns besucht haben. Wie ich sagte, wir schätzen unsere Gäste sehr. Deshalb haben sie auch gewisse Vorteile.“
     „Welche denn?“
     „Wer zu uns kommt, zahlt für den Konsum nur drei Dollar. Egal, ob er ein Glas trinkt oder zehn oder eine ganze Flasche. Immer der gleiche Preis.“
     „Das ist unschlagbar! All inclusive!“
     Der Mann nickte.
     „Nur drei Dollar? Das sind…“
     In meinem Kopf rechnete ich schnell den Betrag in unsere Währung um.
     „Das ist unmöglich! Für drei Dollar bekommt man nicht mal eine Schachtel Streichhölzer!“
     „Ich betone noch einmal, uns geht es nicht ums Geld, sondern um die Zufriedenheit der Kunden. Das ist unsere Priorität! Wir wollen, dass sie gerne wiederkommen.“
     „Hm,“ sagte ich nachdenklich, „ich habe immer gedacht, in Amerika geht es vor allem ums Geschäft. Wo ist der raue Kapitalismus geblieben? Und jetzt das!“
     „Geschäft ist Geschäft, das stimmt. Wir sind die Ausnahme, die die Regel bestätigt.“
     Die Bloody Mary verdampfte aus dem Glas, ohne dass ich es bemerkte.
     „Führen Sie hier auch Gin?“ fragte ich vorsichtig.
     „Gin?“ sagte er scheinheilig zögernd. „Aber natürlich! Welchen möchten Sie? Englischen Beefeater Gin? Oder vielleicht Gin Mare oder Gin Bombay Sapphire? Wir servieren auch Brockmans Gin. Der hat ausgeprägte Noten von Wacholder und Koriander, ergänzt durch Aromen von Heidelbeeren und Brombeeren.“
     „Dann bitte zweimal Brockmans Gin. Einen für mich, den anderen für Sie.“
     „Vielen Dank, mein Herr, Sie sind außerordentlich freundlich. Ich stoße gerne mit Ihnen an.“
     Wir tranken beide. Wortlos.
     „Wenn Sie erlauben, würde ich noch einen guten Whisky probieren. Ihren Whisky. Etwas wirklich Qualitatives. The best quality… Was können Sie mir anbieten? Damit ich nur die besten Erinnerungen an Ihr Etablissement habe.“
     Man sah, dass ihn mein Interesse freute.
 
     „Wir haben hier alle bekannten Sorten. Jack Daniel’s, Woodford Reserve, Blanton’s, Jim Beam, Knob Creek, Ten High. Sie müssen nur wählen.“
     „Nehmen wir zum Beispiel den Bourbon Four Roses. Angeblich nicht schlecht.“
     Ich wusste genau, dass die gesamte amerikanische Produktion dieses Getränks für den Export bestimmt ist. Damit würde ich ihn überraschen. So etwas hat er bestimmt nicht. Der Mann rührte nicht einmal mit der Augenbraue. Mein Wunsch brachte ihn nicht aus der Fassung. Er griff unter die Bartheke und zog eine schlanke Flasche hervor.
     „Ist das wirklich der originale Bourbon?“ zweifelte ich.
     Der Mann wurde ernst. Er konnte nicht erröten, weil er schwarz war!
     „Mein Herr, ich muss Sie eindringlich darauf hinweisen, dass wir ein erstklassiges Unternehmen sind. Wir führen nur die besten Waren! Ich stehe dafür mit meinem Kopf ein. Unser Bar würde sich niemals herablassen, minderwertige oder gar gefälschte Getränke anzubieten. Das müsste mir eine Schande sein.“
     „Gut, gut, ich wollte Sie nicht beleidigen. Ich glaube Ihnen!“
     Sein Gesicht bekam wieder seine ursprüngliche Farbe.
     „Damit Sie nicht ständig stören müssen, lassen Sie die Flasche hier. Wenn Sie nichts dagegen haben, bediene ich mich selbst.“
     Ich goss die goldene Flüssigkeit in ein breites Glas und gab etwas Eis dazu. Genüsslich nahm ich einen Schluck.
     „Gut… Göttliches Getränk.“
     Der Flascheninhalt nahm sehr schnell ab. Innerhalb einer Viertelstunde war sie leer.
     „Jetzt habe ich den richtigen Durst. Ich nehme Champagner! Den hat noch niemandem geschadet…“
     „Wir haben über dreißig Marken. Hauptsächlich französische. Stichprobenhaft nenne ich Laurent-Perrier, Nicolas Feuillatte, Michel Gonet oder Veuve Clicquot.“
     „Als Slaw würde ich echten russischen Champagner nehmen.“
     „Kein Problem!“
     Im Nu stand eine große grüne Flasche auf dem Tresen.
     Es gab einen Knall. Der Korken flog irgendwo in die Ecke. Das prickelnde Getränk füllte das Glas. Der Barkeeper füllte zuerst nur den Boden und goss nach einer Weile das tulpenförmige Glas bis zu zwei Dritteln mit dem köstlichen Getränk.
     „Wenn ich bitten darf, mit Erdbeere.“
     „Echter Champagner wird grundsätzlich pur getrunken! Ohne irgendetwas! Ohne Zusätze und Verzierungen,“ belehrte mich der Barkeeper.
     „Bei uns wird nur und ausschließlich purer Champagner serviert! Sonst bekommen Sie bei uns nichts!“, beharrte er.
     „Gut dann.“
     Ich nahm noch einen Schluck.
     „Wirklich ausgezeichnet! Perfekt gekühlt! Himmlischer Nektar!“
     Der Schwarze beugte sich zu mir und flüsterte: „Wissen Sie, dass ein Gramm Alkohol hundert Gehirnzellen zerstört?“
     „Das höre ich zum ersten Mal. Interessante Beobachtung.“
     „Ich wollte Sie nur tak dezent darauf hinweisen, dass langfristiger Konsum Demenz verursacht. Nehmen Sie es aber nicht persönlich. So, damit das Gespräch nicht einschläft.“
     „Ich danke Ihnen herzlich für die Warnung!“
     „Kann ich Ihnen noch etwas anbieten, mein Herr?“ fragte der Barkeeper.
     „Rum!“
     „Kubanisch? Mexikanisch? Jamaikanisch? Venezolanisch? Brasilianisch?“
     „Jamaikanisch! Der hat Tradition!“
     „Dann nur jamaikanischer Rum Captain Morgan. Ein ausgezeichneter karibischer Rum. Sein unverwechselbarer Geschmack entsteht durch einjähriges Reifen in Eichenfässern und wird durch die einzigartige Mischung geheimer Kräuter und Gewürze bereichert.“
     „Ich vertraue Ihnen. Ich lasse mich beraten. Sie sind schließlich der Experte! Her damit.“
     Er goss die goldene Flüssigkeit ins Glas und fügte zwei Eiswürfel hinzu.
     „Ich wünsche einen guten Geschmackserlebnis.“
     „Danke.“
     „So etwas habe ich noch nie getrunken! Dieses Aroma! Ein wahres Lied!“
     Es fiel mir nicht schwer, in kurzer Zeit zwei Gläser zu leeren.
     Bevor ich mich versah, meldete der Barkeeper schon: „Sie haben noch nicht Tequila probiert! Das ist eine Schande! Wir haben zehn Jahre alte Jahrgänge. Herradura Reposado, El Jimador Blanco, Sierra Silver, José Cuervo Clásico, Pepe Lopez Gold, Don Augustin Anejo.“
     „Tequila kann man auf keinen Fall ablehnen! Aber welche soll ich nehmen?“
     „Wenn ich empfehlen dürfte, dann Antique Sierra. Ausgezeichnete doppelt destillierte goldene Tequila. Sie ist schön gereift, mild im Geschmack und wunderbar ausgewogen. Konkurrenzfähig ist nur El Conquistador, weißer Tequila aus hundert Procent blauer Agave.“
     „Dann nehme ich lieber die zweite.“
     Der Barkeeper zog einen Keramikbecher hervor und füllte etwas Getränk hinein.
     „Er bot mir sie bestimmt an, um mich zu prüfen. Aber ich weiß genau, wie man das trinkt! Ich bin ja kein Landpomeranze,“ dachte ich.
     „Könnte ich etwas Salz und eine Limettenscheibe bitten?“
     „Natürlich, mein Herr. Hier Salzstreuer und Limette.“
     Zwischen Daumen und Zeigefinger nahm ich eine Prise Salz, leckte sie ab. Ich trank die Tequila-Stange auf Ex. Zum Schluss biss ich in die Limettenscheibe.
     Der Barkeeper nickte anerkennend.
     Ich war überrascht, dass ich nach all den Mixgetränken einen klaren Kopf hatte. Ich war überhaupt nicht betrunken. Wenn ich so eine Menge bei uns in der Kneipe getrunken hätte, wäre ich wie auf einem Karussell gewesen.
     „Mein Kopf war klar, unvernebelt. Der Alkohol beeinträchtigte nicht einmal meine Koordination. Meine Stimmung war ausgezeichnet.“
     „Was habe ich eigentlich alles konsumiert?“ überlegte ich.
     „Zuerst war es eine Mary, dann ein wundervoller Gin, danach folgte Bourbon. Dazu eine Flasche Champagner. Dann Rum. Zum Abschluss Tequila. Eine schöne Mischung. Was werden wohl meine Leber dazu sagen? Sicherlich gefällt es ihnen nicht!“
     Solch eine Menge kann schon eine ordentliche Alkoholvergiftung auslösen. Ich sollte mich zurückhalten. Aber wie widersteht man dem, wenn hier alles nur drei Dollar kostet? Unvorstellbar!
     Gerade hatte ich den richtigen Dreh raus. Ich war richtig gut drauf. Noch ein Drink. Nein, nein! Genug! Ich höre auf!
     Erst jetzt fühlte ich eine leichte Müdigkeit… So berauscht, dass ich umkippe, war ich nicht! Das wäre ja noch gefehlt. Ich mache hier in Amerika keine Blamage! Ich bin kein Profi-Betrunkener. Ich trinke zwar gerne, aber dezent und maßvoll.
     Zur Sicherheit machte ich einen Alkoholtest. Eine einfache, verlässliche und bewährte Methode! Funktioniert immer! Ich schloss die Augen. Hebte den Zeigefinger der rechten Hand. Mit einer schnellen Bewegung zielte ich auf die Spitze meiner Nase. Ich verfehlte das Ziel nicht. Ich öffnete die Augen. Überall war Dunkelheit. Dunkel wie in einem Sack.
     Sofort wurde mir klar, dass ich zu Hause in meinem Bett lag. Ich schaltete die Lampe ein. Auf dem Nachttisch stand eine Flasche. Vorsichtig griff ich danach.
     Es war Quellwasser.
     Ich sah sie enttäuscht an.
     „In dieser Bar war es doch besser. So außergewöhnliche Erlebnisse!“
     Ich schloss wieder die Augen. Leider war Las Vegas verschwunden.

       Ins Deutsche übersetzt von künstlicher Intelligenz

More...